Mehr Sicherheit in der Lebensmittel- industrie. Die ENFIT-bulkvision Blockchain Cloud Technologie sorgt für eine transparente Supply Chain

Hans-Dieter Philipowski
Empty space, drag to resize
Bildquelle: bulkvision GmbH, Hamburg
Empty space, drag to resize

Mangelhafte Transporthygiene und unzureichende Sicherheit (Food Defense) beim Transport unverpackter Rohstoffe und Lebensmittel in Transportbehältern führen nicht nur zur erheblichen Beeinträchtigung der Lebensmittelsicherheit, sondern sind oftmals auch die Ursache für kostenintensive und markenschädigende Produktrückrufe. Pragmatische und digitale Lösungen, wie sie ENFIT entwickelt hat, schützen die Lebensmittelindustrie nachhaltig.

Produktrückrufe sind leider an der Tagesordnung. Salmonellen oder Mineralöle in der Schokolade. Kunststoffgranulate in der Panade von Chicken Nuggets. Escherichia Coli im Mehl oder Bio-Diesel in Palmöl. Wo liegen die Ursachen dafür?


Nach jedem Produktrückruf beginnt die intensive und manchmal auch hektische Suche nach den Ursachen. Ganze Fabriken werden quasi auf den Kopf gestellt. Findet man die Ursachen, dann können Lösungen zur Vermeidung erarbeitet werden. Anders sieht es allerdings aus, wenn die Ursachen nicht identifiziert werden. Dann ist im wahrsten Sinne des Wortes guter Rat teuer. In der neuen internationalen ENFIT Guideline – Transport unverpackter Rohstoffe und Lebensmittel in Transportbehältern – finden Sie dazu alle relevanten Details. Die Guideline kann online gekauft werden.

Eine oft übersehene Eintragsquelle für Kontaminationen in die Produktion ist der Transport von Rohstoffen oder Lebensmitteln. Besonders dann, wenn diese als Flüssigkeiten, Pulver oder Granulate in Tankwagen, Tank-Containern, Silofahrzeugen oder IBCs, transportiert werden.

Der Hauptgründe können im unzureichenden hygienischen und technischen Zustand der Transportbehälter liegen, oder in der nur oberflächlichen oder partiellen Reinigung und Desinfektion, aber auch in der fehlenden Lebensmitteleignung der Transportbehälter (DIN 10 502). Oft ist es auch nur das fehlende Verständnis und mangelndes Fachwissen, dass beim Transport sensibler Lebensmittel erforderlich ist. Nach der EU-Verordnung 178-2002 sind Transportdienstleister „Lebensmittelunternehmen“ und tragen damit eine besondere Verantwortung für das transportierte Produkt. Leider ist nur ein kleiner Prozentsatz der Flüssig- und Schüttgut- Transportdienstleister von den zuständigen Überwachungsbehörden als Lebensmittelunternehmen/er registriert. Dadurch bedingt fehlt vielen der Beteiligten die erforderliche Sensibilität. Hier sollte seitens der Überwachungsbehörden dringend Abhilfe geschaffen werden. Ein weiteres Problem beim Transport ist die kriminelle Energie mit der einige der Transportdienstleister unterwegs sind, um Kosten zu sparen, damit man extrem günstig anbieten kann. Das schadet dem Ansehen der gesamten Branche und die ehrlichen, die „teurer“ sind, haben das Nachsehen.

In der Praxis ist es üblich, dass der LkwFahrer vor der Reinigung seines Transportbehälters ein Anmeldeformular ausfüllt. Darin gibt er an, was gereinigt werden soll und welche letzten drei Vorladungen er geladen hatte. Es ist nicht üblich, wie oft von der Industrie angenommen, dass bei jedem Transportbehälter grundsätzlich alles gereinigt wird! Was Sinn machen würde. Nein. Der Logistikdienstleister entscheidet in der Regel selber, ob er alle Schläuche oder nur einige, Pumpen, Filter, Luftleitungen, etc. gereinigt haben möchte, oder ob er die Reinigungsanlage lediglich mit einer Teilreinigung beauftragt, weil man unbedingt das weit bekannte Reinigungsdokument ECD für die Beladung oder Entladung benötigt. Aus dem ECD gehen zwar keine Details hervor, aber es wird von den Be- und Entladern kritiklos akzeptiert. Nur den wenigsten ist bekannt, dass die im ECD verwendeten Cleaning Codes absolut keine Aussagefähigkeit haben und kein Reinigungsverfahren sind. Dazu hat ENFIT mit dem ECC-ENFIT CLEANING CERTIFICATE® (eingetragene Gewährleistungsmarke) und den ENFIT Cleaning Codes, die ein Reinigungsverfahren beschreiben, neue Wege beschritten. Details dazu finden Sie in der ENFIT Guideline. 

Besonders bei der Handhabung der auf einem ECD angegebenen letzten drei Vorladungen ist Vorsicht geboten.

Eine Reinigungsanlage kann zwar feststellen, ob die letzte Ladung wahrheitsgemäß angegeben wurde (aufgrund vorhandenen Restmengen) aber kaum, ob die Informationen zu den weiteren Vorladungen korrekt sind. Die Frage ist natürlich, was passiert, wenn das Personal feststellt, dass die Informationen auf dem Anmeldeformular nicht mit dem Inhalt des Transportbehälters identisch sind? Wird die Reinigung dann abgelehnt? Wie wahrscheinlich ist das in einem unter enormen Preisdruck und Wettbewerb leidenden Gewerbe?

Wird die Reinigung ausgeführt und die falschen Informationen über die Vorladungen nach der Reinigung in das zu erstellende Reinigungsdokument übernommen, dann hat der Belader keine Chance mehr diesen Betrug aufzudecken. Es handelt sich hier nicht um ein Kavaliersdelikt. Dabei ist in der Regel nicht der Fahrer dafür verantwortlich. Er folgt den Anweisungen seiner Vorgesetzten.

Die Industrie sollte daher besonders misstrauisch sein, wenn in einem Reinigungsdokument der Hinweis: „Vorprodukte laut Fahrerinformation“ zu finden ist. Diese Informationen orientieren sich eher daran, welche Produkte vom Belader als Vorladungen ausgeschlossen werden. Auch hier sollte die Industrie abwägen, welche Folgen derartige Ausschlusslisten haben, oder ob es sinnvoll ist den ENFIT Reinigungsverfahren zu folgen, die auch Reinigungsverfahren für Allergene, GMOs, Kosher und Halal beinhalten.

Dazu ein aktuelles Beispiel aus der Praxis: Im September meldete sich der Fahrer eines Tankwagens in einer uns bekannten Reinigung an. Er gab als letzte Vorprodukte: 1. Glukose, 2. Soja-Öl, 3. Glukose an. Nach Einfahrt in die Reinigung öffnet das Personal die Ablassventile und stellt eine intensiver Dieselgeruch fest. Der daraufhin befragte Fahrer meinte nur, sie sollen sich nicht so anstellen und das Fahrzeug nun endlich reinigen. Er habe es eilig und müssen zur nächsten Ladestelle. Warum die von ihm als letzte Ladung angegebene Glukose nach Diesel riecht, wisse er auch nicht.

Bildquelle: bulkvision GmbH, Hamburg
Als die Reiniger sich weigerten, was Seltenheitswert hat, und den Fahrer aufforderten das letzte Frachtpapier vorzulegen, damit man die Ladung identifizieren könne, weigerte er sich zunächst. Als die Reiniger deutlich machten, dass ohne Vorlage des Frachtpapiers (CMR) keine Reinigung stattfinden wird, holte der Fahrer dann doch widerwillig das Frachtpapier aus seinem Lkw. Nun bestätigte sich die Geruchsanalyse. Aus dem Frachtpapier ging hervor, dass es sich zumindest bei der letzten Ladung um 25.000 kg BioDiesel gehandelt hat. Obwohl der Tankwagen mit „Nur für Lebensmittel“ gelabelt war und der Fahrer als nächstes Ladegut Palmöl angegeben hat. Der Fahrer verschwand wortlos. Ob er eine andere Reinigungsanlage gefunden hat und Palmöl geladen hat bleibt unbeantwortet. 

Ein weiteres Phänomen sind „verplombte“ Silofahrzeuge, die offensichtlich zur Erfüllung der Food Defense Anforderungen während des Transportes versiegelt werden, aber keine Kennzeichnung „Nur für Lebensmittel“ tragen. Handelt es sich dabei um Lebensmitteltransporte? Bis auf wenige Ausnahmen ist es nicht üblich, dass anorganische Produkte, Kunstdünger, getrockneter Hühnerkot, Futtermittel oder Futtermittelrohstoffe, z.B. Extraktionsschrot, das als Nebenprodukt in der ölverarbeitenden Industrie anfällt und häufig mit Salmonellen Mykotoxine oder Aflatoxinen kontaminiert ist, „verplombt“ transportiert werden. Nicht einmal Gefahrgüter werden verplombt. Auch hier sollte die Industrie genauer hinschauen.

Im Januar 2020 hat das BfR in einem Bericht festgestellt, dass Mehl häufig mit Escherichia Coli verunreinigt ist. Man hat dazu unterschiedliche Theorien entwickelt, woher derartige Kontaminationen herrühren können. Leider hatte dabei wieder niemand den Transport im Blick. Kennt man die tägliche Transportpraxis, dann ist bekannt, dass Kunststoffgranulate, Baustoffe, getrockneter Hühnerkot, Milchpulver oder Mehl nacheinander in einem und demselben Silofahrzeug transportiert werden. Dass es auf diesem Wege zu einer Übertragung von EscherichiaColi oder andere Kontaminationen auf Lebensmittel kommen kann, ist keine Überraschung.

Wie kann die Industrie diese Risiken in der Zukunft sicher ausschließen? Mit der neuartigen ENFIT-Blockchain Technologie ist das möglich. Mit der Blockchain sind sämtliche Informationen über Vorladungen, über die angewendeten Reinigungsverfahren, der digitalen Identifikation der Plomben, deren Anzahl und deren Positionen, frei von Manipulationen und Fehlern. Jedes einzelne Event, wie die Beladung, Entladung, Transport, Food Defense, Reinigung und Desinfektion, wird von den einzelnen Supply Chain Teilnehmern in der Blockchain gespeichert. Eine spätere Manipulation ist ausgeschlossen. Informationen zu den Vorladungen, Allergenen oder GMOs werden von der Industrie über die globale Transportbehälter ID (wird weltweit von ENFIT als einmalige und dauerhafte Kennzeichnung von Transportbehältern herausgegeben) über die bulkvisionBlockchain Software (SaaS), in die CloudPlattform gestellt und unverfälscht ausgetauscht.

Dadurch das diese Informationen direkt von der Industrie in der Cloud gespeichert werden, ergibt sich für jeden Transportbehälter eine manipulationsfreie Historie. Mit der Blockchain Technologie werden auch die menschlichen Fehlerquellen, die beim Ablesen von Buchstaben und Zahlen, wie das bei den Plomben üblich ist, und deren Übertrag von einem Papier zum nächsten, vollständig ausgeschlossen. Alles in Echtzeit. Blockchain geschützt. Manipulationsfrei. Einfach zu bedienen und effektiv.

Die einzige Voraussetzung die die Industrie dafür treffen muss: Die Rohstoffhersteller und Lebensmittelproduzenten müssen den Einsatz dieser Technologie und das Labeln der Transportbehälter mit der GID von ihren Dienstleistern fordern. Die Kosten für ein solches System sind marginal. Der Nutzen um ein Vielfaches größer. Industrie und Handel können damit jährlich viele hundert Millionen Euro, die in kostspielige Rückrufaktionen hineinfließen, sparen.

Und ja, es kann passieren, dass der Transport teurer wird. Eine hohe reproduzierbare, standardisierte und wahrheitsgemäße Qualität und Sicherheit, gibt es nicht zum Nulltarif. Um das abzuwägen ist es wichtig sich beide Kostenstellen, nämlich die der Transportkosten und die der Reklamations- und Rückrufkosten, genauer anzusehen und einen Zusammenhang herzustellen. Nicht immer einfach, aber seien Sie mutig.

Abgerundet wird die ENFIT Blockchain Cloud Technologie durch die professionelle Schulung der Logistikdienstleister, des Reinigungspersonals und die Zertifizierung von Reinigungsstationen nach den ENFIT HQF Standards, sowie das Training der Operatoren beim Be- und Entlader. Die Zertifizierung von Reinigungsstationen nach dem ENFIT HQF-Standard erfolgt weltweit durch den ENFIT-Zertifizierungspartner DNV. Die von DNV zertifizierten Reinigungsstationen sind berechtigt, mit der ENFIT Blockchain Software das internationale ENFIT-Reinigungszertifikat ECC-ENFIT CLEANING CERTIFICATE® zu erstellen. Das ENFIT-Zertifikat wird über die Blockchain gesichert und kann vom Belader, wenn es digital oder als Papierdokument vorgelegt wird, auf Echtheit überprüft werden.

Mehr Informationen?
Senden Sie Ihre E-Mail an: info@enfit.eu

Kontakt:
MSc. Hans-Dieter Philipowski
Präsident, ENFIT – Internationaler Verband
Supply Chain Safety
Mail: philipowski@enfit.eu
Created with