Wie Sie Ihr Unternehmen vor Salmonellen und anderen bösen Überraschungen schützen können.
Digitalisierung in der Supply Chain
Trotz bester Hygienestandards in der Produktion kam es bei Ferrero zu einer dra- matischen Salmonellenkontaminationen in „Kinderschokolade“ und einigen anderen Produkten des Herstellers. Da dies beliebteste Produkte bei Kindern sind, erkrankten auch überwiegend nur Kindern an den mit Salmonellen verunreinigten Schokoladen. Ferrero’s Produktionsstandort in Arlon, Belgien, in dem unter anderem Süßigkeiten für den weltweiten Konsum produziert werden, wurde von den Überwachungsbehörden für mehrere Monate geschlossen.
Fast zu gleichen Zeit hatte der Schokoladenhersteller Barry Callebaut in seinem Werk in Wieze, Belgien, der Produkte für die weiterverarbeitende Süßwarenindustrie produziert, ebenfalls Probleme mit Salmonellen in der Schokolade.
Ursache dafür sollte ein mit Salmonellen kontaminiertes Lecithin eines Lieferanten gewesen sein, das als Rohstoff für die Schokoladenherstellung eingesetzt wird. Das Betroffene Werk in Belgien musste ebenfalls für mehrere Monate geschlossen werden. Beide Fälle zeigen, wie extrem die Auswirkungen einer Kontamination sein können und welche enormen Kosten ein derartiger Rückruf verursachen kann. Vom Verlust der Reputation ganz zu schweigen.
Produktrückrufe sind leider an der Tagesordnung. Salmonellen oder Mineralöle in der Schokolade. Kunststoffgranulate in der Panade von Chicken Nuggets. Escherichia Coli im Mehl oder Bio-Diesel in Palmöl. Wo liegen die Ursachen dafür? Nach jedem Produktrückruf beginnt die intensive und manchmal auch hektische Suche nach den Ursachen. Ganze Fabriken werden quasi auf den Kopf gestellt, müssen gereinigt und desinfiziert werden. Findet man die Ursachen, dann können Lösungen zur Vermeidung erarbeitet werden. Anders sieht es allerdings aus, wenn die Ursachen nicht eindeutig zu identifizieren sind. Dann ist im wahrsten Sinne des Wortes guter Rat teuer.
Eine oft übersehene Eintragsquellen für Kontaminationen in die Produktion ist der Transport von Rohstoffen oder Lebensmitteln. Besonders dann, wenn diese als Flüssigkeiten, Pulver oder Granulate in Tank- wagen, Tank-Containern, Silofahrzeugen oder IBCs, transportiert werden.
Der Hauptgründe können im unzureichenden hygienischen und technischen Zustand der Transportbehälter liegen, oder in der nur oberflächlichen oder partiellen Reinigung und Desinfektion, aber auch in der fehlenden Lebensmitteleignung der Transportbehälter (DIN 10 502). Oft ist es auch das fehlende Verständnis und mangelndes Fachwissen, dass beim Transport sensibler Lebensmittel erforderlich ist.
Nach der EU-Verordnung 178-2002 sind Transportdienstleister „Lebensmittelunternehmen“ und tragen damit eine besondere Verantwortung für das transportierte Produkt. Bislang ist nur ein kleiner Prozentsatz der Flüssig- und Schüttgut- Transportdienstleister von den zuständigen Überwachungsbehörden als Lebensmittelunternehmen/er identifiziert du registriert. Vielen der Beteiligten fehlt es daher an der erforderlichen Sensibilität. Ein weiteres Problem ist die kriminelle Energie einiger Transportdienstleister, die, um möglichst billig anbieten zu können, schon mal in einem Lebensmitteltransportbehälter Chemikalien oder Futtermittelrohstoffe transportieren. Ein hohes Kontaminationsrisiko für die Industrie und ein nachhaltiger Imageschaden für die gesamte Transport- und Reinigungsbranche.
In der Praxis ist es üblich, dass der LkwFahrer vor der Reinigung seines Transportbehälters in der Reinigungsstation einen Reinigungsauftrag ausfüllt, in dem er angibt, welches die letzten drei Vorladungen waren und was wie gereinigt werden soll. Denn der Auftraggeber der Reinigung, das Logistik- oder das Transportunternehmen, entscheidet alleine darüber, was gereinigt werden soll und was nicht.
Die Leistung der Reinigung wird immer noch weit verbreitet in einem ECD (EFTCO -Cleaning Dokcument) dokumentiert. Viele Produzenten fordern auch heute noch die Vorlage eines ECDs, bevor der Transportbehälter beladen wird.
Nur den wenigsten Produzenten ist bekannt, dass die im ECD verwendeten Cleaning Codes keiner konkreten Spezifikation eines Reinigungsverfahrens folgen, sondern lediglich die Ansammlung einzelner, vager, nicht näher definierter Reinigungsmaßnahmen sind. Zum Beispiel: „P10“ ist nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, das Reinigungsprogramm Nr.10 von vielleicht 20 unterschiedlichen Reinigungsprogrammen. „P10“ bedeutet lediglich „heißes Wasser, Temperatur > 60°C“. Wo dieses Wasser zum Reinigen eingesetzt wird, welche wirkliche Temperatur dieses Wasser hat und wie lange mit diesem Wasser gereinigt wurde, bleibt dabei gänzlich im Verborgenen.
Ein weiterer beliebter Reinigungscode ist der Cleaning Code „C01“ für „Alkalisches Reinigungsmittel. Auch hier gibt es keine Information darüber, wieviel alkalisches Reinigungsmittel dosiert wurde. Ob es in einem Vorspülgang oder in der Hauptreinigung dosiert wurde. Am Ende des Tages hat die Industrie, der Belader, keine Chance irgendeine konkrete Information aus dem ECD zu entnehmen.
Im Reinigungsdokument der EFTCO heißt es lediglich: „Der Behälter ist sauber nach EFTCO Definition“. Schaut man sich an was diese Definition bedeutet, dann stößt man bei der EFTCO auf folgende Definition: “Der Behälter ist sauber, wenn man nach der Reinigung bei der Inspektion durch das Mannloch im inneren des Behälters keine optischen Verschmutzungen sichtbar ist und kein produkt- oder reinigungsmittelspezifischen Geruch festgestellt werden kann.“
Das alles hat nichts mit einer Reinigung unter den Aspekten der notwendigen Lebensmittelsicherheit und dringend erforderlichen Transporthygiene zu tun.
Um hier einen anderen Weg einzuschlagen und für definierte internationale Standards zu sorgen, hat ENFIT definierte Reinigungsprogramme und -prozeduren entwickelt. Jeder Rohstoff, jedes Lebensmittel, wird von den ENFIT Expert:innen einer definierten Produktkategorien zugeordnet. Die unterschiedlichen Produktkategorie richtet sich danach ob es sich um eine Flüssigkeit, einem Pulver oder Granulat handelt, nach dem Transportbehälter-Typ, der Viskosität, Zucker-, Fett- oder Eiweißgehaltes des je- weiligen Produktes. Jede dieser Kategorien hat ihr eigenes Reinigungsverfahren. Siehe dazu auch die ENFIT Cleaning Codes unter www.enfit.eu.
Die ENFIT Reinigungsverfahren beinhalten sämtliche detaillierten Parameter, wie die Abfolge der einzelnen Prozessschritte, Vorreinigung, Hauptreinigung, Spülen und Trocknen, sowie die Dauer der einzelnen Prozessschritte, deren Temperaturen und Konzentration der Reinigungsmittel. Mit der Anwendung der ENFIT Standards kann man erstmalig erreichen, dass unterschiedliche Reinigungsstationen auch zu ähnlichen Reinigungsergebnissen kommen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die technischen Voraussetzungen dafür in den Reinigungsstationen gegeben sind und das Personal in der Anwendung und Durchführung der ENFIT Reinigungsverfahren ausgebildet wurde.
Die ENFIT Reinigungsverfahren werden mit den entsprechenden ENFIT Reinigungscodes, zum Beispiel für eine niedrigviskose Flüssigkeit, wie Wein, Fruchtsaft, Essig, etc. mit dem ENFIT Reinigungscode ENFIT P 200 L, ENFIT P 200 M oder ENFIT P 200 H beschrieben und dokumentiert. Dabei steht der Buchstabe hinter der Zahl für „L=Leichte Reinigungsqualität“, „M= Mittlere Reinigungsqualität“ und „H=Hohe Reinigungsqualität“. Diese Informationen werden mit dem ECCENFIT CLEANING CERTIFICATE® (eingetragene Gewährleistungsmarke) dokumentiert und sind damit fälschungssicher.
Mit der ENFIT-Blockchain Technologie ist es erstmalig möglich das die Dokumentation der Reinigungsverfahren und Codes fälschungssicher ausgeführt werden. Mit der Blockchain sind zusätzlich sämtliche weiteren Informationen über die drei letzten Vorladungen, der digitalen Identifikation der Plomben, deren Anzahl und deren Positionen, frei von Manipulationen und mensch- lichen Fehlern.
Jedes einzelne Event, wie der Beladung, Produktinformationen, Entladung, Transport, Food Defense, Reinigung und Desinfektion, wird von den einzelnen Supply Chain Teilnehmern in der Blockchain gespeichert. Eine spätere Manipulation durch Transportunternehmen und Reinigungsstationen ist ausgeschlossen. Informationen zu den Vorladungen, Allergenen oder GMOs werden von der Industrie über die ENFIT-GID (Globale Identifikationsnummer des Transportbehälters) mittels der bulkvision-Blockchain Software (SaaS), in die Cloud-Plattform gestellt und unverfälscht zwischen den beteiligten Teilnehmern ausgetauscht.
Dadurch das diese Informationen direkt von der Industrie in der Cloud gespeichert werden, ergibt sich für jeden Transportbehälter eine manipulationsfreie Historie. Mit der Blockchain Technologie werden auch die menschlichen Fehlerquellen, die beim Ablesen von Buchstaben und Zahlen, wie das bei den Plomben üblich ist, und deren Übertrag von einem Papier zum nächsten, vollständig ausgeschlossen. Alles in Echtzeit. Blockchain geschützt. Manipulationsfrei. Einfach zu bedienen und effektiv.
Die einzige Voraussetzung die die Industrie dafür treffen muss: Die Rohstoffherstellern und Lebensmittelproduzenten müssen den Einsatz dieser Technologie und das Labeln der Transportbehälter mit der GID von ihren Dienstleistern fordern. Die Kosten für ein solches System sind marginal. Der Nutzen um ein Vielfaches größer. Industrie und Handel können damit jährlich viele hundert Millionen Euro, die in kostspielige Rückrufaktionen hineinfließen, sparen.
Und ja, es kann passieren, dass der Transport mit einer definierten und standardisierten Reinigung teurer wird. Eine hohe reproduzierbare, standardisierte und wahrheitsgemäße Qualität und Sicherheit, gibt es nicht zum Nulltarif. Um das abwägen zu können sollten die Produzenten ihre beiden Kostenstellen, die für die Transportkosten und die Kostenstelle für die Rückrufkosten synchronisieren. Produzenten werden feststellen, das eine definierte Reinigung nach den ENFIT Standards nur unwesentlich mehr kostet, aber gleichzeitig ein hundertfaches bei den Rückrufkosten einsparen hilft.
Abgerundet wird die ENFIT Blockchain Cloud Technologie durch die professionelle Schulung der Logistikdienstleister, des Reinigungspersonals und die Zertifizierung von Reinigungsstationen nach den ENFIT HQF Standards, sowie das Training der Operatoren beim Be- und Entlader. Die Zertifizierung von Reinigungsstationen nach dem ENFIT HQF-Standard erfolgt weltweit durch von ENFIT autorisierte Auditoren.
Mehr Informationen?
Senden Sie Ihre E-Mail an: info@enfit.eu
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